26. Das Wetter

Das Wetter | Foto: © ots-photo - Fotolia.com
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Ein Lied hätte den Oldies bestimmt ausgezeichnet gefallen, es kommt von „Attwenger“, einer österreichischen 2-Mann Kombo, die sehr schräg alternativ unterwegs ist. Attwenger hoben am Anfang ihrer Karriere alte Volksmusik-Lieder in die musikalische Gegenwart.

Eine Strophe eines ihrer alten Lieder („abersee“ auf der CD „Most“) geht folgendermaßen:

„Gestern und heit

hot die Sunn so sche gscheint.

Hot noch nia so sche gscheint

Ols wia gestern und heit.“

Übersetzt heißt das:

Die Sonne hat noch nie so schön geschienen wie gestern und heute.

Sie hat noch nie so schön geschienen wie gestern und heute.

Klingt auf Hochdeutsch natürlich langweilig. Nur im Dialekt kann man die wahre Kraft dieser Lyrik erleben und verstehen.

Und vielleicht mag es für Sie nicht so wichtig sein, ob die Sonne gestern und heute so schön geschienen hat. Im Altenheim war es jedenfalls das Diskussionsthema Nummer Eins. Und ich glaube, Sie haben nicht die geringste Vorstellung, wie ausführlich man über das Wetter sprechen kann. Manche Oldies verwandelten sich sogar in lebende Wetterstationen.

Wenn man durchs Altenheim ging, erfuhr man zum aktuellen Wetter folgendes: Heute ist es kalt. Nein, heute ist es warm. Heute ist es kälter als gestern. Nein, gestern hat es ja geregnet. Aber nein, das war vorgestern. Morgen wird es wärmer werden, hat er angesagt, im Radio, nein, heute ist es schon wärmer, aber so schön ist es heute auch nicht. Letzte Woche war es schöner als gestern, aber es regnet viel zu wenig. Morgen wird es regnen, das spürt man ja schon im Kreuz. Die ganze Zeit regnet es. Aber es ist eh gut, wenn es regnet.

Und Sepp sagte jeden Tag: „Mei, heute ist es wieder nebelig.“ „Nein, das ist dein grauer Star“, antwortete ich ihm jedes Mal. „Ach so“, sagte er, „aber heute ist es wieder nebelig“. Ich darauf etwas lauter: „Nein, Sepp, es ist nicht nebelig, das ist dein grauer Star!“ „Was hast gesagt?“ Ich schrie ihm ins Ohr: „Du siehst schlecht! Das ist dein grauer Star! Es ist nicht nebelig!“ „Ach so. Ja, was kannst machen?“ Und dann wanderte er weiter durch seinen Nebel.

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