Rinderwahnsinn in Österreich

Kuh | Foto: © Andreas P - Fotolia.com
Kuh | Foto: © Andreas P - Fotolia.com

Der Test

Die Lasagne wiehert, das Antibiotikum grunzt (oder umgekehrt) und die Kühe sind verrückt geworden. Hier der Test, ob eine Kuh an Rinderwahnsinn leidet.

So klingt eine normale Kuh:

 

Diese Kuh hat definitiv Rinderwahnsinn, iss lieber eine Möhre, schmeckt auch:

 

Rinderwahnsinn in Österreich

Freilich muss gleich zu Beginn dieser Geschichte gesagt werden, dass dieser Titel ein völlig falscher ist, weil es einfach keinen Rinderwahn in Österreich gibt, nie gegeben hat und auch nie geben wird. Dafür sorgen nämlich die tapferen Mannen der „Österreich Werbung“, also der staatlichen Tourismus Organisation.

Seit Österreich im Jahre 1918 auf seine nunmehrigen Grenzen reduziert wurde, ist die Haupteinnahme-Quelle des Landes der Tourismus. Natürlich hätten die Österreicher damals gerne das Adria-Meer und die dazugehörenden Küsten behalten, – das alles und noch vieles mehr ging ja nach dem Ersten Weltkrieg verloren, wie gesagt – aber wenigstens hatte man uns damals unsere Berge belassen, – allerdings auch nur, weil die seinerzeit sonst niemand haben wollte. Wer konnte denn schon ahnen, dass die Schifahrerei mit allem Drum und Dran einmal so ein einträgliches Geschäft werden würde? Und wer konnte andererseits ahnen, dass die Adria langsam, aber sicher an den Algen zugrunde geht? Dass wegen der Klimaerwärmung die Gletscher schmelzen, das mag vielleicht für die Arktis stimmen, aber nicht für die österreichischen Berge, denn österreichische Berge sind – laut „Österreich Werbung“ – vor jeglicher Erwärmung sicher. Alle anderen Behauptungen seien nur böse Propaganda von Nestbeschmutzern, Vernaderern und anderem, politisch nicht erwünschten Gesindel.

Die „Österreich Werbung“ ist straff organisiert und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Eine Vorgänger-Organisation gab es bereits zu Kaisers Zeiten Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Name „Österreich Werbung“ wurde aber erst 1989 mit der letzten großen Reform eingeführt. Diese Reform hatte es wirklich in sich. Die Mauer in Berlin war gefallen, der eiserne Vorhang verrostet, dem neutralen Österreich waren auf einmal die Bedrohungen abhanden gekommen. Der österreichische Geheimdienst verlor damit seine Existenzberechtigung, – was sollte man mit den Agenten jetzt nur anfangen? – dafür gewann aber der Tourismus schnell viele neue Zielmärkte dazu.

Schon bald war aber klar, welchen neuen Verwendungszweck die pragmatisierten Agenten des Geheimdienstes bekommen sollten. Andere Länder schicken ihren Personalüberschuss in den Nahen Osten, nach Afrika oder nach Nordkorea. Dort lösen sich dann viele Probleme ganz von selbst. Doch die Österreicher gliederten den Geheimdienst überraschender Weise in die „Österreich Werbung“ ein. Wenn schon 9% des Brutto-Inlandprodukts vom Tourismus kommen, dann muss man doch auf Nummer Sicher gehen.

10% aller erwerbstätigen Österreicher arbeiten schließlich im Tourismus-Sektor. Das Land beherbergt mit seinen acht Millionen Einwohnern 30 Millionen Touristen jährlich. Wobei die größte Gruppe der ausländischen Touristen aus Deutschland kommt, nämlich rund die Hälfte. Somit ist auch der große Nachbar das größte Sorgenkind.

Die Hauptaufgabe des Nachrichtendienstes der „Österreich Werbung“ ist es, Probleme mit und von Deutschen effizient und lautlos zu beseitigen. Dabei spielt zum Beispiel auch die Bild-Zeitung eine entscheidende Rolle. Eine einzige Österreichkritische Schlagzeile in der Bild Zeitung – und schon urlauben hunderttausende Deutsche weniger in Österreich! Es hat relativ lange gedauert, bis man die Bild-Redaktion unterwandert hat, aber mittlerweile hat man die Schlagzeilen dort Großteils im Griff.

Aber im Sommer 2002 geschah etwas, womit keiner gerechnet hat. Die ganze Welt lag noch im Terror Schock wegen des 11. Septembers. Da flatterte eine Bild-Zeitung in die Zentrale der „Österreich-Werbung“, die hatte es in sich. Da stand in fetten Lettern auf der Titelseite:

„Perverse Österreicher sprengen Kühe in die Luft!“

„Gruber!“ brüllte Major Prohaska, Oberkommandant der „Österreich Werbung“, in sein Telefon. „Sofort zu mir, Krisensitzung!“ Gruber antwortete eilig ein „Jawohl, Herr Major“ und drückte sofort auf den Alarmknopf, um die schnelle Eingreiftruppe zu verständigen.

„Also, wie konnte denn so etwas überhaupt passieren?“ eröffnete Prohaska die Sitzung. „Wir wissen’s noch nicht, Herr Major“, antwortete Gruber kleinlaut, „aber so wie es aussieht, ist unser Informant verschwunden und hat die Schlagzeile nicht verhindern können. Wir prüfen gerade, ob er von den Italienern abgeworben wurde.“ „Sofort foltern, dann rauswerfen!“ pfauchte Prohaska. „Was wissen wir noch? „Die Meldung ist keine Ente“, führte Gruber weiter aus. „Es geschah tatsächlich auf der Hohen Kugel in der Nähe von Feldkirch in Vorarlberg.“

Vorarlberg ist das westlichste Bundesland und von Restösterreich durch einen Berg getrennt, was sowohl aus der Sicht der Vorarlberger, als auch aus der Sicht der Restösterreicher, ein Glück ist. Verstehen kann man die Vorarlberger nämlich nur schwer, da sie – wie die Schweizer – vor ein paar hundert Jahren einfach die mittelhochdeutsche Lautverschiebung verschlafen haben.

„Das heißt, wir haben einen Terroristen auf einer Vorarlberger Alm, der Kühe sprengt?“ fragte Prohaska. „Nein, Herr Major, haben wir nicht. Die Kuh wurde ganz offiziell gesprengt, der Bürgermeister gab sein Okay, und ein geprüfter Sprengmeister führte die Sprengung ordnungsgemäß durch. Der Kadaver konnte nicht anders von der Alm abtransportiert werden. Die Kuh stand nur deswegen in der Zeitung, weil der Sprengmeister den Sprengstoff nicht weit genug in den … den … hinten hinein gesteckt hatte. Deshalb landete eine halbe Rinderhälfte nach der Sprengung in einem Baum, ein Kuhauge auf dem Gehweg, und der Kuhschwanz in der Wiese daneben. Und an diesem Schlachtfeld spazierte dann ausgerechnet eine geschockte deutsche Urlaubergruppe vorbei, die schließlich die Meldung an die Bild-Zeitung weitergab, aber seither an posttraumatischen Entspannungsstörungen leidet, hahaha.“

„Gibt es schon Ergebnisse von der Marktforschung?“ fragte der Major weiter. „85 von 100 Deutschen finden es verabscheuenswürdig, tote Kühe in die Luft zu sprengen“, gab Gruber wahrheitsgemäß bekannt. „Beliebtere Tiere als Kühe sind nur noch Katzen, Hunde und Eisbären. 30 von 100 Deutschen gaben an, dass sie wegen dieser perversen Tierquälerei nicht mehr nach Österreich kommen wollen, um Urlaub zu machen. Und 50 von 100 Deutschen gaben an, Österreich sofort den Krieg zu erklären, sollte jemals ein Eisbär auf einer Alm gesprengt werden.“

Im weiteren Verlauf dieser Angelegenheit schlug die Marketing Abteilung vor, die Core Competencies zu streamlinen, um am point of sales echten added value zu bieten. Außerdem sollte man den USP schärfen. Diese Ansage konnte man aber getrost ignorieren, denn das sagen die Wappler der Marketing Abteilung jedes Mal. Der Major erstellte danach ein Maßnahmenpapier für die Regierung, das auch sofort umgesetzt wurde. Das Sprengen von toten Tieren ist seither in Österreich verboten. Jede tote Kuh auf einer Alm wird ab sofort mit einem Hubschrauber abtransportiert, was rund 1.500,- 2.000,- Euro pro Transport kostet. Die Kosten übernimmt das Land. Eine Sprengung hätte zwar nur 500,- Euro gekostet, würde aber Millioneneinbußen beim Tourismus bedeuten.

Und damit, meine Damen und Herren, wurde, wie Sie sehen, wieder einmal ein schwieriger Fall von den Agenten der „Österreich Werbung“ sauber und erfolgreich gelöst.

Mehr Kühe gibts bei kuh.at

Kuh Attacken

Liebe Leute, nun aber etwas Ernsthaftes: Wenn Ihr wandern geht, dann meidet bitte Kuhweiden, vor allem, wenn Ihr einen Hund dabei habt. Mütter mit Kälbern beäugen Fremde besonders kritisch.

PS: Der Autor isst seit einiger Zeit keine Tiere mehr und gibt offenherzig zu, dass diese Geschichte natürlich frei erfunden ist.

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