5. Liebesfeuer

Liebesfeuer | Foto: © digifree - Fotolia.com
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Meine richtigen Liebesgeschichten fingen relativ spät an, erst ab der Uni Zeit. Und zu Beginn suchte ich mir gleich Liebesziele aus, die ich nicht erreichen konnte. Die Liebe war auch noch nicht ganz mein Hauptthema, gebe ich zu. Ich hatte noch mit der Uni zu kämpfen. Wir waren gerade am Beginn des „Internet Zeitalters“ angelangt, so um 1994 herum. Und der Institutsvorstand tat damals lauthals kund, dass das Internet kein Medium wäre, nie eines werden würde und überhaupt völlig unnütz wäre. Das war für mich als Publizistik- und Kommunikationswissenschaftsstudent schon sehr hart. Denn ich beschäftigte mich damals viel lieber mit den Möglichkeiten des Internets, als mit möglichen Stellungen beim Kamasutra. Nun, ich suchte mir also eine Blume aus, die sich partout nicht pflücken lassen wollte. Und dabei spielte ich schon das volle romantische Programm ab: Abendessen mit anschließendem Disco-Blödsinn.

Nachdem ich dann eine eiskalte Abfuhr von ihr bekommen hatte, brach für mich eine Welt zusammen. Ich kletterte auf einen Berg, stürzte mich hinab. Meine letzten Worte waren: „Hilfe, ich habe keinen Haaaaaaaaaaalt.“ Das war symptomatisch für meine Jugend damals.

Es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis ich diese Niederlage verdaut hatte. Nie wieder wollte ich jemals etwas mit der Liebe zu tun haben! Diese Schmerzen!

Nun, zwei Jahrhunderte später, oder waren es zwei Monate – ich weiß es nicht mehr so genau – wurde ich von einer Frau erobert. Wir lernten uns auf einer Party kennen. Unverhofft kommt oft, jeder Topf findet einen Deckel usw. Was für eine aufregende Zeit! Täglicher Austausch von Körperflüssigkeiten. Am Anfang natürlich heimlich. Wehe, wenn die Eltern auch nur irgendetwas erfahren würden! Alles geheim!

Also brachte ich die holde Maid des Nächtens heim, schlich mich mit ihr auf ihr Zimmer. Und dann ab in die Kiste. Rambazamba und Halleluja!

In einer der Liebesnächte musste ich danach auf einen stillen Ort. Und zwar schon driiiingend. Ich huschte lautlos zum Klo, setzte mich sogar hin – ja keine Spuren hinterlassen! Und als ich nach der Klospülung die Tür aufmachte, stand da plötzlich ihr Vater vor mir. Um 3 Uhr in der Früh. Wir beide nackt. Er musste auch dringend danach. Ich grüsste ihn höflich und ging wieder zu meiner Freundin ins Bett.

Er und ich brauchten natürlich einige Zeit, bis wir uns von diesem Schock erholten, meine damalige Freundin lacht wahrscheinlich heute noch darüber. Einige Tage später stellte sie mich dann doch ihren Eltern offiziell vor – am Tag und angezogen.

Und dann kam eine Woche Urlaub mit ihr auf irgendeiner entfernten Insel. Mindestens 10 Mal täglich haben wir es miteinander getan! Und untereinander! Und aufeinander! Und nebeneinander! Und immer wieder!

Und obwohl ich täglich rohes Fleisch aß, um mich fit zu halten, war das zuviel für mich. Ich wurde – daheim angekommen – auf die Intensivstation gebracht. Ich brauchte flüssiges Eiweiß intravenös. Der Oberarzt sagte: Junge, wie kann man sich sein Hirn schon mit 20 rausvögeln? Noch hatte ich keine Vorstellung, was er damit eigentlich gemeint hatte.

Aber so schnell das erste Feuer der Leidenschaft entfacht wurde und so intensiv es auch brannte, so schnell war es auch wieder gelöscht.

Sie machte Schluss mit mir, ich stieg auf einen einsamen Berg und stürzte mich hinunter mit den Worten: „Ich habe keinen Haaaaaaaalt …“ – aber das kennen Sie ja bereits.

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