29. Der Saboteur

Der Saboteur | © Sergey Lukianov - Fotolia.com
Der Saboteur | © Sergey Lukianov - Fotolia.com

Graubraune Umgebung. Gelände, Stadt. Sehe Männer in braunen Uniformen, könnten kommunistisch sein. Es finden gerade die jährlichen Sportspiele statt. Totalitäres System, alles wird überwacht. Ich bin ein Saboteur. Das Fernsehen ist dabei, filmt jeden Winkel von den Spielen. Aber im Hintergrund kämpfen Demonstranten gegen Regierungssoldaten, das wird nicht im Fernsehen gezeigt, ich sehe es aber. Kann mich im Gelände frei, unauffällig bewegen. Beobachte junge Sportler, wie sie beim Wettkampf sind. Sehe ab und zu die Demonstranten und deren Kampf aus der Vogelperspektive.

Bewege mich im Gelände, es schaut alles sehr düster aus. Komme in die Nähe einer Gruppe Sportler, die gleich dran kommen wird. Sie wird mit einer Schwebebühne zum Einsatzort gebracht. Diese Schwebebühne ist quasi eine Art fliegender Teppich.

Ich sehe Maria in dieser Gruppe. Ich versuche, auf die Schwebebühne zu springen. Falle aber runter, unter mir ist Wasser. Ob See oder Meer, das weiß ich nicht mehr. Ich versuche, an Land zu gelangen, es ist Nacht. Ich sehe gerade noch den Hafen.

Werde von Fischen verfolgt. Ein Hai hat mich entdeckt. Ich will flüchten und schwimme wie wild zum Hafenrand, habe panische Angst. Der Fisch erwischt mich, beißt ein Stück Fleisch von meinem Oberarm heraus. Ich spüre aber keinen Schmerz, es blutet heftig. Kann in letzter Sekunde an Land gelangen und aus dem Wasser klettern.

Versuche, zu den Umkleide-Kabinen zu gelangen, weiß noch nicht, wo sie sind. Möchte meinen Arm verbinden, der blutet weiterhin stark. Habe Angst, dass die Soldaten meine Blutspur finden werden. Es darf mich aber niemand sehen.

Ich erreiche die Kabine. Es ist ein anderer Sportler drinnen, das merke ich sofort. Der andere sieht mich aber nicht, er steht mit dem Rücken zu mir. Ich schleiche mich von hinten heran und bringe ihn um.

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich ihn umgebracht habe, ich glaube, ich habe ihn mit einer spitzen Eisenstange von hinten erschlagen oder erstochen.

Im Umkleideraum gibt es drei Türen. Eine führt zu einer Dusche, glaube ich zuerst, es ist aber das Klo. Ich zerre die Leiche in den Raum, damit sie nicht entdeckt werden kann. Hinter dem Klo gibt es einen Mauervorsprung, dort verstecke ich die Leiche.

Mein Arm dürfte aufgehört haben zu bluten, ich habe ihn aber nicht verbunden. Ich sehe kein Blut mehr am Boden. Ich gehe durch die zweite Tür. Die Tür geht zu einem Gemeinschaftszimmer, ich sehe mehrere Stockbetten. Es dürfte ein Zimmer einer Jugendherberge sein.

Plötzlich habe ich das extrem starke Gefühl, dass jemand oder etwas in der Küche ist. Es ist unheimlich. Denke an einen Einbrecher. Aber ich habe die Haustür ja zugesperrt. Aber was könnte es sonst sein? Blitzschnell stehe ich senkrecht im Bett. Und kaum bin ich ganz wach, merke ich, dass in der Küche natürlich nichts ist.

***

Was für ein Traum! Ein harmloser Zivildiener wird zum Mörder! Ich überlegte, ob ich diesen Traum überhaupt Ulrike erzählen sollte. Aber neugierig war ich schon, was sie dazu sagen würde.

Am Telefon zierte ich mich dann ein wenig, aber ich erzählte ihr doch alles. Sie fragte mich, ob in der letzten Zeit etwas Dramatisches bei mir passiert wäre. Naja, als „dramatisch“ empfand ich es nicht, aber ich erzählte ihr den letzten Stand  in der Liebesgeschichte zwischen Maria, Walter und mir.

„Dann ist mir alles klar“, sagte sie zu mir. „Du hast Walter umgebracht.“

„Was?!“ fragte ich sie schockiert.

„Du hast ja selber gesagt, dass Du in dem Traum ein Saboteur warst. Du willst die Liebe zwischen Maria und Walter sabotieren und du hast ihn umgebracht“, sagte sie.

„Spinnst du? Ich kann doch keiner Fliege was zu Leide tun! Außerdem hat im Traum der Typ ganz anders ausgesehen, das war sicher nicht Walter“, sagte ich entrüstet.

„Also pass auf, die Traumsymbole sind ja relativ eindeutig. Der Hai, der dich gebissen hat, bedeutet, dass du von jemanden verletzt worden bist und du dich nicht dagegen gewehrt hast. Das könnte für Sophia stehen. Ein Mord, den du ausführst, warnt vor unbedachten Handlungen. Wenn du jemanden im Traum erschlägst, dann kann das heißen, dass du Gewissensbisse hast. Das hat sicher mit Walter zu tun“, erklärte sie mir.

„Jaja, wahrscheinlich hast du eh recht. Aber sag mir lieber, was ich tun soll. Es ist wirklich eine dumme Zwickmühle“, sagte ich zu ihr. „Erobere ich Marias Herz, zerstöre ich damit die Freundschaft zu Walter. Wenn es schief geht, dann auch.“

„Willst du sie wirklich, oder siehst du das eher als Wettkampf mit Walter?“ fragte sie mich.

Oh, wie ich Psychologinnen in solchen Augenblicken hasse! Ich wusste darauf noch keine befriedigende Antwort, ich musste noch darüber nachdenken.

<< 28. Eifersucht | 1. Überdosis Wien | 30. Monster >>

Kommentar verfassen