10. Musterung

Musterung | Foto: © L.Klauser - Fotolia.com

Es war eine Entscheidung, die ich mit 18 getroffen hatte, deren Konsequenzen ich aber nicht im Geringsten abschätzen konnte. Ich war bei der „Musterung“ in einer Kaserne. Das österreichische Bundesheer wollte feststellen, ob meine Altersgenossen und ich „tauglich“ für den Dienst mit der Waffe wären.

Ich war zwar eine sportliche Niete, aber ich war mir sicher, dass dies ohne weiteres für das Bundesheer ausreichen würde. Ich hatte mir gar keine Strategie zurecht gelegt, um mich vor dem Dienst am Staat zu drücken. Dabei wäre es so leicht gewesen.

Ein Freund hatte ein ärztliches Attest, das bescheinigte, dass auch nur bei der geringsten Erschütterung des Hinterkopfes sich die Netzhaut bei ihm ablösen würde. Blind nach einem Schlag auf den Hinterkopf – was für ein Drama! Untauglich!

Ein anderer Freund hatte einen anderen Wunderschein mit, er hatte unerklärliche Herzrhythmusstörungen – untauglich. Er war einer der besten Sportler in meiner Klasse. Ein anderer hatte kein Glück. „Hausstaub“ gab es in der Kaserne nicht, da gab es nur Kasernenstaub! Der konnte sich seine Allergie an die Wand malen – hahaha.

Ein Freund riet mir, mich schwerhörig zu stellen. Das hätte aber auch Auswirkungen auf den Führerschein gehabt.

Früher gab es einmal angeblich den Schmäh, dass man mit einem „Malaria-Attest“ befreit wurde. Man fuhr nach Indien, bestach einen Arzt, der dann attestierte, dass man einmal Malaria hatte. Heute ist das nicht mehr möglich, weil man das im Blut medizinisch nachweisen kann.

Ich machte also die ärztlichen Tests. Bei den Kraftübungen schnitt ich äußerst schlecht ab. Der Arzt fragte mich, warum ich nur wenige Gewichte mit meinem rechten Fuß heben konnte. Ich antwortete ihm, dass ich mir einmal als 12-jähriger den Fuß gebrochen hätte. Ich wäre damals sehr lang im Bett gelegen. Ich hatte einen Oberschenkel Gips und war damals sogar 5% invalid. Aber Gott sei Dank wäre alles wieder ordentlich verheilt und ich könne wieder normal gehen. Ich hätte nur leider keine Röntgenbilder mit.

Ja, ich weiß, manchmal denke ich wirklich nicht mit. Hätte ich vorher daran gedacht, dann hätte ich die Geschichte ordentlich dramatisieren können. Aber dafür wurde meine Ehrlichkeit belohnt. Der Oberst, der dann uns jungen Männern mitteilte, ob wir wohl tauglich wären, sagte bei mir, dass ich aufgrund einer Oberschenkelfraktur nur „B-tauglich“ wäre. Das heißt: Grundausbildung und danach Schreibtisch-Job. Viel Langeweile und einen schönen Lenz würde ich haben!

Da meinte das Schicksal es einmal gut mit mir – und was machte ich? Ich war fest davon entschlossen, als überzeugter Pazifist den Zivildienst anzutreten. Mir war es damals völlig egal, dass der Zivildienst vier Monate länger dauerte und auch noch schlechter bezahlt wurde.

Aber ich hätte es auch beim Zivildienst gut erwischen können. Ein Freund wurde zum Beispiel bei der Feuerwehr eingesetzt. Er war bei der Notrufzentrale und musste die Einsatzkräfte koordinieren. Da hatte man, wenn man Beziehungen hatte, zwei 24 Stunden Dienste hintereinander. Am Dienstort hatte man auch eine Schlafkoje und einen Fernseher, man schlief während der Dienstzeit ganz offiziell. Den Rest der Woche hatte man frei. Und weil während der Dienstzeit eh nichts los war, konnte man die Zeit auch für andere Sachen nutzen.

Beim Roten Kreuz wäre es auch nicht so schlecht gewesen, Stichwort Krankentransporte. Ein armes Schwein wäre man, wenn man im Irrenhaus dienen müsste, so wurde mir erzählt. Ich wurde dann einem Altenheim zugeteilt. Das war das zweitschlimmste, was einem Zivildiener passieren konnte.

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Wie würde Eure Entscheidung ausfallen? Lieber Militär oder Zivildienst?

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